Leseabend: Alle, die hier sind, schreiben hier

Donnerstag, 7. Oktober 2021, 19.00 Uhr – Stadtbibliothek Innsbruck

Literarisches Schreiben ist nicht nur eine der wirkmächtigsten Strategien zur Formulierung minderheitenpolitischer Forderungen, es ist vor allem auch in der Lage, minoritäre Wirklichkeiten sichtbar zu machen und Geschichten zu erzählen, die schräg, quer oder fremd zur Darstellung der gesellschaftlichen Mehrheiten stehen. 

Samuel Magos Erzählungen aus der Welt der Roma, Seher Çakirs Geschichten, die sich ebenso aus der migrantischen Realität in Wien als auch aus ihrer Kindheit in der Türkei speisen, und Siljarosa Schletterers dezidiert politische Lyrik sind drei ebenso engagierte wie sprachlich aufregende Beispiele zeitgenössischer Literatur aus der Migrationsgesellschaft. 


Foto: Bettina Neubauer, Harri Stojka mit seinen beiden Schwestern Doris und Sissi, 2014, © Familie Stojka, Wien


Konzertabend

Freitag, 8. Oktober 2021, 19.00 Uhr – Bäckerei

Isabel Frey ist jiddische Sängerin und Aktivistin aus Wien. In ihren Revolutions- und Widerstandsliedern belebt sie die Tradition des linken, Jüdischen Aktivismus wieder und verbindet sie mit zeitgenössischen, politischen Themen.

Özlem Bulut und Hakan Gürses – zwei Stimmen und viele Saiteninstrumente. Die beiden in Wien ansässigen Sänger*innen und Multiinstrumentalist*innen aus der Türkei präsentieren ein Bündel von Liedern, Traditionals wie (Eigen-)Kompositionen, die orientalische Melodik und Rhythmik mit der europäischen Harmonik vereinen. 

Christine Abdel-Halim, Liedermacherin, Gelegenheitskabarettistin und Feministin präsentiert Lieder aus verschiedenen Schubladen ihres Lebens: Magisches und Tragisches, Feministisches und Kabarettistisches, Melancholisches und Alkoholisches, Übersetztes und Unterschätztes, Tabuisiertes und Hochstilisiertes.

Podiumsdiskussion: AKTIVISMUS!

Donnerstag, 21. Oktober 2021, 19.00 Uhr – Stadtbibliothek Innsbruck
18.00 Uhr: Ausstellungsführung mit Volker Schönwiese, Aktivist der Selbstbestimmt Leben Bewegung

Ausgehend von Filmdokumenten aufsehenerregender historischer Aktionen der Selbstbestimmt Leben Bewegung werden Formen und Geschichte des minoritären Aktivismus zur Diskussion gestellt. Vom Flugblatt zum Netzaktivismus, von Demonstrationen mit breiten Allianzen bis zu pointierten, die Grenzen der Legalität ausreizenden Interventionen spezifischer Gruppen reicht der Bogen aktivistischer Möglichkeiten. Repräsentant*innen unterschiedlicher Bewegungen und Generationen verhandeln ihre Geschichte, lernen voneinander und diskutieren zukünftige Strategien politischen Kampfes.


Bild: Klaudia Karoliny bei der Demonstration für „Persönliche Assistenz für Alle“, Linz 2010. © bidok – die digitale Bibliothek zu Behinderung und Inklusion

Zusammen haben wir eine Chance

Donnerstag, 28. Oktober 2021, 20.00 Uhr – Leokino Innsbruck

Filmvorführung “Zusammen haben wir eine Chance” (2018) von Nadiye Ünsal, Zerrin Güneş, Tijana Vukmirović | 1h 26 min | Activistar Film and Video Productions Collective

Aus der Perspektive rassismusbetroffener Menschen dokumentiert der Film antirassistische Bewegungen und Kämpfe seit der Wende. Gemeinsam mit Aktivist*innen aus der Schwarzen deutschen Community, Geflüchteten, Nachkommen der «Gastarbeits»-Generation, einer Mapuche-Aktivistin und anderen Zeitzeug*innen erzählt der Film von Selbstorganisierung, Solidarisierung und Widerstandsorten im Kampf gegen Rassismus, Kapitalismus und (Hetero-) Sexismus. Pogrome gegen People of Color wie in Rostock-Lichtenhagen 1992, der Brandanschlag in Mölln 1992, der Mord an Oury Jalloh 2005 und die NSU Mordserie, die 2011 aufflog, waren einige Anlässe, aber längst nicht die einzigen, die die Aktivst*innen zusammenkommen ließen. Der Film schafft eine Gegennarration zu weiß-hegemonialen Darstellungs- und Erzählweisen antirassistischer Bewegungen.

Podiumsdiskussion: Minoritäre Allianzen

Donnerstag, 16. Dezember 2021, 19.00 Uhr – Stadtbibliothek Innsbruck
18.00 Uhr: Ausstellungsführung mit Vladimir Wakounig

Seit ihrer Gründung steht die Initiative Minderheiten für eine Minderheitenpolitik, die nicht entlang von Identitäten und Abgrenzungen, sondern als Allianz für eine minderheitengerechtere Gesellschaft gedacht wird. Ging es in den Gründungsjahren dabei noch vornehmlich um die Frage, welche Gruppierungen in Österreich überhaupt Minderheitenstatus beanspruchen könnten – nicht nur Volksgruppen, sondern auch Rom*nja, Migrant*innen, Menschen mit Behinderung oder sexuell diskriminierte Gruppen -, so steht heute die identitätspolitische Debatte im Vordergrund. Sind minoritäre Allianzen noch zeitgemäß? Ist das Konzept aus Sicht einzelner Communities als paternalistisch abzulehnen? Oder kann es im Sinne von Diversität und einer Politik „der Vielen?“ neu gedacht werden? Junge Aktivist*innen diskutieren mit den Gründer*innen der IM.


Bild: Politische Aktion im Rahmen des Dan Mladine 1992 in Nova Gora/Neuberg im Südburgenland. © Petar Tyran