Dritter Jenischer Kulturtag am 13.10.2018

Es ist wieder soweit! Der Dritte Jenische Kulturtag rückt näher und wir haben wieder ein abwechslungsreiches Programm für euch vorbereitet.
Vorveranstaltungen

Filmvorführungen „Unerhört Jenisch“ von Karoline Arn und Martina Rieder | CH 2017, 92 min
Stephan Eicher spielt mit dem Bild des Zigeuners und sucht mit seinem Bruder Erich nach seinen jenischen Wurzeln. Die Spur führt sie in die Bündner Berge, zu den einst zugewanderten Familien Moser, Waser und Kollegger und ihrer legendären Tanzmusik. Die Familien leben eine faszinierende und leidenschaftliche Musiktradition; sie prägt die Schweizer Volksmusik, sucht den Blues, brilliert als Chanson oder rebelliert im Punk. Der Film erzählt aber auch eine Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung, welche die Musikanten schweigen ließ. Ein Film über das Geheimnis des besonderen Sounds.

20. September 2018 | 19:00 Uhr | Altes Kino Landeck
Roman Spiss und Gerald Kurdoğlu Nitsche im Gespräch: „Jenische im Oberland“
Filmvorführung: „Unerhört Jenisch“ von Karoline Arn und Martina Rieder | CH 2017, 92 min

21. September 2018 | 19:00 Uhr | Vogelweide Innsbruck
Filmvorführung: „Unerhört Jenisch“ von Karoline Arn und Martina Rieder | CH 2017, 92 min

05. Oktober 2018 | 19:00 Uhr | Noaflhaus Telfs
mit Einstieg von Stefan Dietrich: „Landgeher, Dörcher, Karrner – ein Blick in regionale Quellen des 19. und 20. Jahrhunderts“
Filmvorführung: „Unerhört Jenisch“ von Karoline Arn und Martina Rieder | CH 2017, 92 min

Jenischer Kulturtag 2018

13. Oktober 2018 | ab 12:30 Uhr | Kulturbackstube, die Bäckerei Innsbruck

Das Programm zum Download

Früher zogen Jenische in kleinen Familienverbänden durch das Land, um den Sesshaften ihre Arbeitskraft und handwerklichen Fähigkeiten anzubieten. Als Menschen mit eigenen Lebensweisen, einer eigenen Sprache und eigenständigen kulturellen Traditionen waren sie eine soziokulturelle Minderheit, die schon früh diskriminiert und zur Sesshaftigkeit gezwungen werden sollten. Im Nationalsozialismus wurden Jenische als sogenannte Asoziale verfolgt und ermordet. Doch auch nach 1945 bis in die jüngste Vergangenheit nahm die Unterdrückung und Gewalt kein Ende, etwa durch willkürliche Gefängnisstrafen oder Kindswegnahmen durch die Jugendwohlfahrt, bei der die ihren Familien entrissenen Kinder in anerkannten Institutionen systematisch gequält, geschlagen und erniedrigt wurden. Ein dunkles Kapitel der Geschichte der Jenischen, das bis Mitte der 1980er anhielt und bis heute weiterwirkt.

Die Jenischen Kulturtage wenden sich gegen das Vergessen und treten ein für die Sichtbarmachung der Jenischen Gegenwart und Vergangenheit sowie des Beitrags der Jenischen zur Tiroler Geschichte. Jenseits von herabwürdigender Stereotypisierung und der Romantisierung der fahrenden Lebensweise soll bei den Jenischen Kulturtagen ein realistischeres Bild der teils vergessenen und verschwiegenen, teils noch lebendigen Traditionen, Kultur und Lebensform gezeichnet werden. In Gesprächen und Erzählungen über damals und heute, über Dokumente und Bilder, in Form von Musik und Handwerk. So freuen wir uns ein weiteres Mal auf einen Tag voller eindrücklicher Begegnungen und regen Austausches!


12:30 Uhr | gemeinsames Mittagessen
14:00 Uhr | Begrüßung und Eröffnung im Café
14:30 Uhr | Von den Kindswegnahmen in der Schweiz zur Selbstorganisation

Die Radgenossenschaft der Landstrasse erzählt aus Geschichte und Gegenwart und blinzelt in die Zukunft
Willi Wottreng:  Buchautor und freier Publizist, Geschäftsführer der Radgenossenschaft der Landstraße

15:45 Uhr | Europa & die Roma – Emanzipation statt Integration?

Lesung aus dem Roman „Andere Akkorde“ von Simone Schönett
Simone Schönett: Jenische, freie Schriftstellerin von Prosa, Lyrik und dramatischen Texten

17:00 Uhr | Mobile Arbeits- und Lebensarrangements und schulische Ausbildung am Beispiel der Jenischen Minderheit mit Schwerpunkt auf die Schweiz

Anja Joos Doktorandin am Institut für Kulturanthropologie & Europäische Ethnologie der Universität Freiburg

18:15 Uhr | Jenische Selbstorganisation?

Podiumsdiskussion mit Willi Wottreng, Simone Schönett, Anja Joos, Serge Borri und Heidi Schleich
Serge Borri: Verein Schäft Qwant & Cooperation Jenische Kultur
Heidi Schleich: Sprachwissenschaftlerin & Autorin („Das Jenische in Tirol“ und Mitherausgeberin des Sammelbandes „Bockssiedlung“)

20:00 Uhr| Julia Rhomberg und Joseph Counousse Mülhauser

Musikalische Begegnung in Folge des Zweiten Jenischen Kulturtages
Joseph Mülhauser: alias Counousse, Schweizer Musiker aus der jenischen Schwyzerörgeli-Musikszene
Julia Rhomberg: Schriftstellerin und Musikerin


Ausstellung historischer Fotografien
1977 besuchte Christian Niederwolfsgruber gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Bert Breit eine Siedlung Jenischer Familien bei Mötz. Niederwolfsgruber dokumentierte den Besuch und bildete  so einen kleinen Ausschnitt des Alltags der dort lebenden Familien ab.

Workshop: Messerschleifen
Das Messer- oder Scherenschleifen war eine typische Arbeit, die fahrende Jenische der sesshaften Bevölkerung anboten. Unter Anleitung können vor Ort stumpfe Messer selbst zu neuer Schärfe geschliffen werden. Gerne mitbringen und ausprobieren!

Musikalische Begleitung: Mario Hein
Zwischen Weltmusik, selbstgeschriebenen Stücken und Kompositionen von Herbert Pixner begeistert  Mario Hein mit dem Spiel auf dem Akkordeon und lockert die Pausen zwischen den Gesprächen, Lesungen und Diskussionen am Jenischen Kulturtag auf.


Eine Veranstaltung der Initiative Minderheiten Tirol
Unterstützt von der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol und Swarowski.

   

In Kooperation mit Arge Kino Landeck, Vogelweide Innsbruck, Kulturgemeinde Telfs, Noaflhaus Telfs, Kulturbackstube, die Bäckerei Innsbruck

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