Rückblick Inncontro Filmfestival 2025

Rückblick Inncontro 2025: Zwischenräume im Kontext von Migration

Vom 06. bis 08. November 2025 fand zum achten Mal das Inncontro – Internationales Filmfestival der Vielheit im Leokino Innsbruck statt. Seit 2018 lädt das Festival dazu ein, Migration, Flucht und Mehrheimischsein aus der Perspektive jener zu betrachten, die diese Erfahrungen selbst tragen. Auch heuer stand der Austausch im Mittelpunkt: zwischen Filmen und Publikum, zwischen Künstler*innen und Aktivist*innen, zwischen Generationen,Biografien und Realitäten.

Die diesjährige Ausgabe widmete sich dem Schwerpunkt „Zwischenräume im Kontext von Migration“ – jenen geografischen, kulturellen, emotionalen, sprachlichen und gesellschaftlichen Zwischenorten, in denen Menschen navigieren, die migriert sind, mehrheimisch werden oder tagtäglich mit Rassismus und Ausschlüssen konfrontiert sind.

Eröffnet wurde das Festival heuer unter Anderem von David Prieth, dessen  Rede ein eindringliches Statement für die Bedeutung von diverser Kultur in Innsbruck setzte,es ging um Sichtbarkeit, soziale Gerechtigkeit und um die Verteidigung kultureller Räume. Direkt im Anschluss zeigte das Festival den französischen Film „Un dessert pour Constance“ (1979), in dem zwei Pariser Straßenkehrer ein weggeworfenes französisches Kochbuch entdecken und daraus den Traum entwickeln, einem Freund ein besseres Leben zu ermöglichen – eine humorvolle und zugleich berührende Geschichte über Würde, Freundschaft.

Ein besonders bewegender Moment folgte gleich zu Beginn: die Schulvorstellung von Sisterqueens. Rund 250 Schüler*innen der Innsbrucker Mittelschulen nahmen teil. Der Film begleitet drei junge Mädchen eines Berliner Jugendprojekts, die über Feminismus, Rassismus, Freundschaft und queere Lebenswelten reflektieren und über Rap und Musik ihren Ausdruck finden.
Die Vorstellung erreichte ihren Höhepunkt beim Abschlusskonzert von Sorah: Schüler*innen griffen spontan selbst zum Mikrofon, tanzten und rappten: ein Moment purer Freude und Selbstermächtigung, der das gesamte Festival prägte.

Der Film wurde am Nachmittag nochmals gezeigt und war nun für ein breiteres Publikum zugänglich – ebenfalls begleitet durch ein Konzert von Sorah.

Am Freitagabend folgte der Kurzfilmabend, der vier sehr unterschiedliche Perspektiven vereinte und wurde eröffnet durch eine Videotbotschaft der Regisseurin Elen Sylla Grollimund.

POELER LUFT von Massiamy Diaby

Toni kehrt auf die Ostseeinsel ihrer Kindheit zurück und wird dort mit rassistischen Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit konfrontiert.

VILLA MADJO von Elen Sylla Grollimund: Ein sensibler Film über eine Familie zwischen Europa und Afrika – und über die komplexen Geschichten interracialer Beziehungen.

LAND DER BERGE von Olga Kosanovic: Ein eindringlicher Blick auf die Absurditäten des österreichischen Bleiberechts – und den täglichen Kampf eines Vaters, mit seiner Tochter im Land bleiben zu dürfen.

LE GAP von Keerthigan Sivakumar: In einem Schweizer Zug gerät eine tamilisch-schweizerische Frau zwischen die Erwartungen ihrer Eltern und die Intoleranz eines Mitreisenden.

Im direkten Anschluss präsentierte das Festival den Paneltalk „Kunst & Identität“: ein Gespräch, wie Innsbruck es selten erlebt. Mit Sorah, Massiamy Diaby, Gina Disobey und NENDA, moderiert von Dajana Mehadžić, kamen vier außergewöhnliche Künstler*innen der zweiten Generation Migrant*innen zusammen. Sie sprachen über ihre Erfahrungen, künstlerischen Wege und die alltäglichen Herausforderungen, welche sie trotz unterschiedlicher Familiengeschichten verbinden. Im Mittelpunkt standen Themen wie Zusammenhalt, strukturelle Barrieren, Empowerment und die Frage, wie Kunst Identität sichtbar machen kann.
Der Verein Hindiba bereicherte den Abend zusätzlich mit einem Infotisch, der Raum für vertiefte Gespräche und Vernetzung bot.

Der Freitag klang mit DJ deedanji im Foyer aus, die eine warme, offene Atmosphäre schufen und das Leokino in einen lebendigen Begegnungsraum verwandelten.

Am Samstagvormittag folgte ein weiterer intensiver Programmpunkt: der Rap-Workshop im Jugendzentrum Space in der Reichenau, geleitet von der Rapperin Sorah. Rund 15 Mädchen aus der Reichenau, aus Hall und Volders schrieben Texte, probierten Beats aus und fanden ihre Stimme. Die Atmosphäre war offen, empowernd und sehr sehr mutmachend.

Im weiteren Filmprogramm wurde „Lala“ (2024) gezeigt. Ein feinfühliger Film über junge Romnja in Italien, die ohne Staatsbürgerschaft leben und zwischen Sichtbarkeit, Marginalisierung und dem Wunsch nach Anerkennung navigieren.

Kulinarisch wurde das Festival am Donnerstag vom Green Event Tirol Partner il Corvo versorgt, die das Foyer zu einem Ort des Verweilens machten. Am Samstag bereitete Livia liebevoll Roma-Schmankerl zu, die nicht nur geschmeckt, sondern kulturelle Vielfalt erfahrbar gemacht haben.


Auch dieser Abend endete mit DJs, die das Festival bis spät am Abend mit Musik, Gesprächen und Begegnung füllten.

Die achte Ausgabe des Inncontro erreichte insgesamt rund 550 Besucher*innen  und zeigte erneut, wie kraftvoll filmische Erzählungen, persönliche Perspektiven und künstlerische Ausdrucksformen Zwischenräume nicht nur sichtbar machen, sondern verbinden. Dieses Festivaljahr war geprägt von Mut, Solidarität, intensiven Gesprächen und jenen besonderen Momenten, in denen Antitassistische Arbeit direkt erfahrbar macht ubnd gezeigtr wird wie viel Kraft in Gemeinschaft liegt.

Ein herzlicher Dank geht an alle Mitwirkenden, Unterstützer*innen und Besucher*innen, die das INNCONTRO 2025 zu einem so besonderen Ereignis gemacht haben.