Unsere Kooperationen mit den Innsbrucker Filmfestivals: Ein Rückblick
Die Initiative Minderheiten Tirol war kürzlich bei zwei Innsbrucker Filmfestivals aktiv an der Programmgestaltung und Vermittlung beteiligt. Hier ist ein kleiner Rückblick über unsere Arbeit vor Ort:
1. Inncontro zu Gast beim IFFI: Regiegespräch mit Alex Bakri
Im Rahmen einer Kooperation zwischen unserem Inncontro Filmfestival und dem IFFI – International Film Festival Innsbruck haben wir die Präsentation des Dokumentarfilms „Habibi Hussein“ im Leokino begleitet.
Der Film des palästinensischen Regisseurs Alex Bakri wirft einen extrem präzisen und unbequemen Blick auf den von außen angestoßenen Wiederaufbau des Kinos in Jenin im Westjordanland. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Filmvorführers Hussein, der trotz seiner 40-jährigen Berufserfahrung im Laufe des Projekts immer weiter an den Rand gedrängt wird. Der Film funktioniert als augenöffnende Gegendarstellung zu den oft gut gemeinten Narrativen westlicher Hilfsprojekte und reflektiert tief sitzende, koloniale Machtungleichgewichte und die Missachtung lokaler Expertise.
Im Anschluss an die Vorführung haben wir das offizielle Publikumsgespräch mit dem Regisseur Alex Bakri geleitet. Dabei haben wir die Brücke zwischen dem gezeigten Film und den Realitäten internationaler Hilfsprojekte geschlagen. Wir führten einen Dialog über Deutungshoheit, Repräsentation und die strukturellen Barrieren, denen lokale Akteure oft gegenüberstehen.
2. Waldhüttl Filmfestival: Aktivismus, Kooperation und Filmvorführung
Unsere zweite Kooperation führte uns zum Waldhüttl Filmfestival, wo wir den „Filmblock Minderheiten & Aktivismus“ maßgeblich mitgestaltet haben. Das Besondere an diesem Programmpunkt: Es wurde ein Film gezeigt, der von unserer Schwesterorganisation – der Initiative Minderheiten Wien in Kooperation mit Medea Productions realisiert wurde.
Der Film beleuchtet eindringlich aktivistische Kämpfe, Selbstermächtigung und die historischen wie aktuellen Widerstände marginalisierter Gruppen in Österreich. Durch die Produktion wird spürbar, wie wichtig es ist, dass Minderheiten ihre eigenen Geschichten dokumentieren und die Kamera selbst in die Hand nehmen.
Neben der Präsentation dieses Beitrags haben wir von der Initiative Minderheiten Tirol das anschließende Podiums- und Publikumsgespräch kuratiert und moderiert. Unser Fokus lag dabei ganz gezielt auf der Vermittlung antidiskriminatorischer Praxen. Wir haben den Raum genutzt, um gemeinsam mit dem Publikum konkrete Handlungsstrategien zu diskutieren: Wie lässt sich Alltagsdiskriminierung aktiv abbauen? Wie können Communities nachhaltige Allianzen bilden und wie sieht gelebte, solidarische Praxis im Kulturbereich aus?
Kino als Ort der politischen Bildung und des Diskurses
Für uns als Initiative Minderheiten Tirol ist das Kino weit mehr als ein reiner Kulturort – es ist ein unverzichtbares Medium der politischen Bildung. Filme haben die Kraft, komplexe gesellschaftliche Machtverhältnisse und marginalisierte Lebensrealitäten emotional und direkt erfahrbar zu machen.
Erst durch die anschließende kritische Begleitung, wie wir sie durch unsere Kuration und Moderation bei den Festivals einbringen, wird der Kinosaal zu einem echten diskursiven Raum. Hier kommen Menschen zusammen, um das Gesehene gemeinsam zu reflektieren, Vorurteile zu hinterfragen und den Dialog über ein gerechtes, diskriminierungsfreies Miteinander direkt in die Stadtgesellschaft zu tragen.
Fotos von Alena Klinger