Wir freuen uns, mit einem Gastkommentar in der aktuellen FREIRAD Programmzeitung vertreten zu sein. Die quartalsweise erscheinende Zeitung bietet einen umfassenden Überblick über neue und bestehende Sendereihen, Spezialprogramme sowie über das Engagement der vielfältigen Radiomacher*innen von FREIRAD. Darüber hinaus schafft sie Raum für Austausch – unter anderem durch Gastkommentare, in denen externe Initiativen ihre Perspektiven sichtbar machen können.
Radio FREIRAD Innsbruck ist ein freies, nicht-kommerzielles Community-Radio, das seit vielen Jahren eine Plattform für unabhängige Stimmen, kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Debatten bietet. Das Programm wird von engagierten Radiomacher*innen aus unterschiedlichsten Bereichen gestaltet und versteht sich als offener Raum für Meinungsvielfalt und kritischen Diskurs in Tirol und darüber hinaus.
Hier könnt ist das Programmheft anschauen:
https://www.freirad.at/wp-content/uploads/2025/12/freirad-programm_2026-q1_v3.pdf
Unser Gastkommentar:
Politik auf der Leinwand
“Mein politisches Engagement ist mein künstlerisches Schaffen.“
Ousmane Sembène, senegalesischer Filmemacher
Für viele ist Kunst & Kultur Dekoration. Für andere ist sie Überleben. Ousmane Sembène, der als Vater des afrikanischen Kinos gilt, verstand den Film als Mittel zum Zweck: gegen Kolonialismus, gegen Ignoranz, gegen Ungerechtigkeit. Seine Haltung wirkt heute aktueller denn je.
Film kann ein Raum für Selbstermächtigung sein und für Konfrontation. Gerade dort, wo Geschichten von Migration, Exil, Rassismus und Zugehörigkeit erzählt werden, entsteht eine politische Kraft, die weit über das Kino hinausreicht. Aber das setzt voraus, dass Filme nicht einfach nur gezeigt, sondern auch kontextualisiert, diskutiert und eingeordnet werden. Die Vorstellung, Filme „sollten für sich stehen“, mag auf den ersten Blick emanzipiert wirken – übersieht aber, dass Rezeption immer durch Machtverhältnisse geprägt ist. Wer spricht? Wer hört zu? Wer versteht und wer wird missverstanden?
Es sind Filme, die nicht auf Repräsentation abzielen, sondern auf Erfahrungen und Widerstände. Sie holen Geschichten auf die Leinwand, die sonst keinen Platz finden und schaffen Räume für Gespräche, die nicht gestellt und glatt wirken, sondern herausfordernd und unbequem, vor allem für die (weiße) Mehrheitsgesellschaft. Genau darin liegt ihr Wert: nicht als Event, sondern als Ort politischer Bildung und Begegnung.
Solche filmischen Räume bewegen sich an der Schnittstelle von Kultur und Diversität. Sie zeigen nicht einfach nur andere Geschichten- sie fordern uns heraus, unsere eigenen Erzählungen und Narrative zu hinterfragen. Vor Allem in Zeiten wachsender Polarisierung und rechter Diskurse ist das kein nettes Extra, sondern eine demokratische Notwendigkeit. Film ist dann nicht nur Entertainment, sondern Konfrontation. Nicht Berieselung, sondern Widerstand.
Geschrieben von Eleni Darias
