FORUM MIGRATION „Flucht: damals und heute“

Foto: Michael Haupt

Am 19. Jänner 2018 fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe FORUM MIGRATION ein Offenes Forum & Café zum Thema „Flucht: damals und heute“ im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum statt. Das Erzählcafé wurde in Zusammenarbeit mit ZeMiT, Tiroler Integrationsforum und Initiative Minderheiten organisiert.

Bereits vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung wurde an den Tischen des Begegnungsraums im Forum des Ferdinandeums viel diskutiert und gelacht. Die fröhliche Stimmung im Raum hatte wohl damit zu tun, dass sich viele Gäste schon seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen hatten und das Wiedersehen sichtlich Freude machte. Einige BesucherInnen schienen sich aufgrund ihres Engagements im Flüchtlingsbereich – damals oder heute – gut bekannt zu sein. Um 18 Uhr waren alle Sitzmöglichkeiten im Forum mit ca. 90-100 TeilnehmerInnen besetzt und die Veranstaltung konnte mit einem zahlreichen, interessierten Publikum beginnen.

Foto: Christian Niederwolfsgruber

Nach der Begrüßung durch Anna Horner von den Tiroler Landesmuseen und Sónia Melo vom Zentrum für MigrantInnen in Tirol (ZeMiT), erklärte die Moderatorin Verena Schlichtmeier kurz die Methode „Erzählcafe“. Es geht dabei um eine dynamische und interaktive Methode des autobiographisch orientierten Erzählens. Vier geflüchtete Personen aus dem Balkankrieg in den 1990er Jahren sowie aus Syrien und Afghanistan waren eingeladen, von ihrem Ankommen in Österreich zu berichten. Bereits vor diesen Erzählungen wurde betont, dass nicht nur diese vier Personen zu Wort kommen sollten, sondern dass im Anschluss daran alle Anwesenden eingeladen sind, zu partizipieren, damit auch HelferInnen von damals und heute sowie auch das Publikum seine Erfahrungen beitragen kann.

Die Erzählenden wurden durch die Moderatorin kurz vorgestellt, anschließend berichteten sie nacheinander aus ihren ganz persönlichen Fluchtgeschichten, wobei vor allem der Neuanfang nach der Flucht im Mittelpunkt stand. Häufig waren es Alltagskontakte und engagierte Einzelpersonen, die das Ankommen in einem neuen, unbekannten Land einfacher machten. Auch kleine Projekte machten Mut, neues auszuprobieren und an sich selbst zu glauben. Bereits in den 1990er Jahren wie auch heute gab es in der der Zivilgesellschaft viele Freiwillige, die ihre Hilfe anboten. Im Gegensatz dazu wurden Einrichtungen und Unterkünfte, die vom Bund bzw. Land organisiert waren und sind, eher selten als unterstützend wahrgenommen. Zu viel Bürokratie und zu wenig Optimismus seitens dieser Institutionen scheinen das Ankommen zu erschweren.

Foto: Christian Niederwolfsgruber

Anschließend an die Erzählungen wurde das Forum für alle geöffnet und es gab zahlreiche Fragen und Beiträge aus dem Publikum. Eigene Erfahrungen von HelferInnen wurden ebenso diskutiert wie die Frage, wie man in Tirol als „Neuling“ wahre Freunde finden kann. Die Tipps zu dieser Frage von allen, die damit selbst schon konfrontiert waren, gingen in die gleiche Richtung: Zeit, Geduld und Vertrauen in sich selbst und andere sind wichtige Bausteine, damit langfristige Beziehungen entstehen können.

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten sich alle Anwesenden bei Getränken und syrischen Spezialitäten noch weiter austauschen. Ein Angebot, das von vielen BesucherInnen dankend angenommen wurde.

Bis 18. Februar finden zahllose Veranstaltungen zu Migration & Flucht im Tiroler Ferdinandeum im Rahmen von FORUM MIGRATION statt. Das gesamte Programm der Veranstaltungsreihe, sowie die Vorstellung einiger Highlights davon, finden Sie hier. Alle Veranstaltungen des FORUM MIGRATION sind bei gratis Eintritt zu besuchen!

Text: Sandra Pletzer (ZeMiT)

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